Torfreduktionsprogramm:
So schützen wir die Moore

Moore sind Heimat vieler hoch spezialisierter Tier- und Pflanzenarten, die auf diese Ökosysteme angewiesen sind. Torfmoose, der rundblättrige Sonnentau, die Moosbeere – sie alle gedeihen nur hier.

Zugvögeln dienen die Moore als wichtige Rast- und Brutplätze. Schmetterlingsarten wie der Hochmoor-Perlmuttfalter oder der Hochmoor-Bläuling, Amphibien wie der Moorfrosch oder Singvögel wie das Rotsternige Blaukehlchen leben nur in diesen Biotopen.

Moore beeinflussen auch maßgeblich das Klima dieser Erde. Sie sind bedeutende CO2- und Wasserspeicher. Moore bedecken nur 3 % der Landfläche, speichern aber doppelt so viel CO2 wie alle Wälder der Erde. Darüber hinaus befinden sich darin 10 % aller Süßwasserressourcen der Welt.

Die Einzigartigkeit der Moore ist in ihrer Entstehung begründet: An ihrer Oberfläche wachsen permanent Torfmoose und überlagern dabei die älteren Schichten. Diese älteren Schichten sind damit von Licht und Sauerstoff abgeschnitten und sterben ab. Auf diese Weise wird das Moor immer dicker oder mächtiger, wie die Fachleute sagen. Natürlich geht dieser Prozess nur sehr langsam vor sich. Um eine Torfschicht von einem Meter Dicke zu schaffen, braucht die Natur 1000 Jahre. Aufgrund dieser langen Entstehungszeit kann man bei Torf keinesfalls von einer erneuerbaren Ressource sprechen – auch wenn er prinzipiell nachwächst.

Um den Torf zu gewinnen, müssen die Moore zuerst trockengelegt werden. Das Moor verliert seine Funktion als Wasserspeicher, das gespeicherte CO2 wird freigesetzt. Zurück bleibt eine ökologische Wüste, ohne Pflanzen, ohne Tiere. 

Eines der Haupteinsatzgebiete von Torf sind Gartenerden, und das nur aus einem einzigen Grund: Torf selbst ist totes Material, das sich nicht mehr verändert. Das bedeutet, dass man ihn ganz hervorragend für den jeweiligen Anwendungsbereich aufdüngen kann. So bekommt der Gartenfreund genau die Erde, die seine Tomaten oder Rhododendren für ein gesundes Wachstum brauchen. Wie die Zahlen zeigen, ist Torf aber viel zu wertvoll, um schlicht als Trägermaterial zu dienen.

bellaflora hat daher im Jahr 2015 ein umfangreiches Torfreduktionsprogramm gestartet. Unser langfristiges Ziel ist, dass alle Erdsubstrate unseres Sortiments torffrei sind. Dieses Ziel ist hoch gesteckt und erfordert noch viel Forschung, Erfahrungen aus der Praxis und Bewusstseinsbildung. Wir müssen geeignete Torf-Ersatzstoffe finden und die Rezepturen in den Erden schrittweise verändern. Sorgsames Vorgehen ist in diesem Bereich besonders wichtig, denn mit der Erde verändern wir die Lebensbedingungen der Pflanzen – und auch sie brauchen Zeit, um sich an Neues zu gewöhnen. 

So weit sind wir schon gekommen

Seit der Umstellung hat bellaflora fast 14,5 Millionen Liter Hochmoor-Weißtorf eingespart, ganz genau 14.454.890 Liter. Das entspricht 2.601.880 kg.


Um zu erahnen, wie viel das ist, wollen wir diese Menge gedanklich auf eine LKW-Kolonne umlegen. Ein Sattelschlepper darf in Österreich 40 t transportieren. Umgelegt auf die eingesparte Menge Torf entspricht das die Beladung von 65 Fahrzeugen. 

Unter der Annahme, dass 90 % des Kohlenstoffs als CO2 freigesetzt werden und Weißtorf in Gartenerden ca. 50 % Wasser enthält, kommt man auf eine CO2-Bilanz von 0,825 kg CO2 je Kilogramm Weißtorf. Daraus ergibt sich, dass durch die Torfreduktion mehr als 2.100 t CO2 weiterhin im Moorboden bleiben und sich nicht klimabelastend auswirken. Selbst wenn wir berücksichtigen, dass der Torf in der Gartenerde durch andere Inhaltsstoffe kompensiert werden muss, ist der Gewinn für das Klima bedeutend. Aus dieser Perspektive schneiden Komposte und Holzfasern besonders günstig ab, weshalb wir sie bei den neuen Rezepturen für Erdsubstrate auch überwiegend verwenden.

Unter der Annahme, dass nur der oberste Meter der Torfschicht für Gartenerden verwendet wird, entspricht die Einsparung durch unser Torfreduktionsprogramm 14.454 m2 nicht-abgetragener Moorfläche, also 14.454 m2 erhaltenem Lebensraum. Die besondere Bedeutung jedes Quadratmeters geschützter Fläche liegt auch darin, dass Moore schon heute wichtige Rückzugsorte für Arten sind, die kühlere Temperaturen bevorzugen. Bei fortschreitender Klimaerwärmung wird dieses Habitat also noch wichtiger für den Erhalt der Artenvielfalt.

Moorschutz ist daher in doppelter Hinsicht enorm bedeutsam: Einerseits leisten wir durch die Reduktion der CO2-Emissionen einen direkten Beitrag zur Milderung des Klimawandels, andererseits schützen wir wichtigen Lebensraum für vom Klimawandel bedrohte Tier- und Pflanzenarten. 

Auf unser Produktsortiment umgelegt, bedeutet das ganz konkret:

Alle Erden der Eigenmarke bellaflora biogarten sind absolut torffrei. 2015 waren bereits 26 % des gesamten Substrat-Sortiments torffrei, bei allen anderen Substraten wurde der Torfgehalt bereits auf mindestens 50 % reduziert. Im Rahmen einer 2015 begonnenen und langfristig angelegten Kooperation mit dem Naturpark Hochmoor – UnterWasserReich Schrems unterstützen wir die Bewusstseinsbildung für den Moorschutz bei unseren Mitarbeitern und Kunden.